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Trading-Einsteigerwissen – Aktienhandel mit dem gleitenden Durchschnitt

 Für viele Menschen ist die Börse ein Buch mit sieben Siegeln. Vorurteile halten sich hartnäckig. Krisen wie zu Letzt 2008 befeuern die Voreingenommenen und geben Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Selbst von Menschen, welche sich bisher überhaupt nicht mit dem Börsengeschehen, Unternehmensbewertungen oder gar Aktienhandel auseinander gesetzt haben, hört man dennoch vehement vertretene Stammtischparolen: „Mit Aktien kannsch Geld verlieren!“ wird gerne verwendet, oder aber auch „Des isch wie Lotto!“

So einfach sollte man es sich nicht machen. Selbstverständlich wird eine medial zelebrierte Krise wie die 2008 auch vom letzten Menschen wahrgenommen, und logischerweise wird hierbei das bestehende Risiko selbst für Laien per Verfügbarkeitsheuristik erkennbar gemacht: Ja, wenn es blöd läuft machst du Verluste. Dass es aber Aktienwerte gibt, die zum Teil 3%, 5% oder gar 25% an einem Tag steigen, und jede Sparschwein oder Sparbuchrendite bei weitem hinter sich lassen, wird von eben diesen Laien entweder überhaupt nicht wahrgenommen oder aber stillschweigend neidisch verdrängt, weil man selbst nicht investiert gewesen ist. Solche Börsenevents werden dann als „Glückstreffer“ abgetan.

Wer sich aber mit ausreichend Beharrlichkeit und Gelassenheit mit dem Trubel des Börsengeschehens auseinandersetzt, wird feststellen, dass Erfolg an der Börse weder mit Glück, noch mit Pech zu tun hat. Hierzu gibt es einfach zu viele Persönlichkeiten, welche mit andauerndem Börsenerfolg kontinuierlich Gewinne erzielen und sich ein gutes Leben leisten können. Bekannteste Beispiele in Deutschland sind unter anderem Dirk Müller (Mr. Dax), Prof. Dr. Max Otte oder auch Birger Schäfermeier. Was macht also deren Erfolg aus? Was ist deren Geheimnis?

Zunächst erstmal, dass es kein Geheimnis gibt, denn die Regeln für Erfolg im Leben sind die gleichen wie beim Trading: Jahrelange Erfahrung, Disziplin, das Einhalten von strikten Regeln und vor allem die Bereitschaft, positiv zu denken und nicht aufzuhören täglich Neues zu lernen.

Um dir den Einstieg in die Welt der Börse zu vereinfachen, möchte ich dir in meiner Serie über Trading einige Regeln und Wissen hierüber vorstellen. Mit diesen sollst du erkennen, dass zum Erfolg an der Börse weniger mit Glück, und mehr mit System zu tun hat, wenn wieder einmal alle anderen vom Anstieg der Kurse profitieren, du aber an der Seitenlinie stehst und leer ausgehst.

Der gleitende Durchschnitt

Der gleitende Durchschnitte ist ein simples Tool aus der Welt der technischen Analyse (Analyse des Aktienkurses an Hand des Charts). Der gleitende Durchschnitt (Engl. SMA – Simple Moving Average) macht nichts anderes, als den eigentlichen Aktienkurs geglättet widerzuspiegeln, in dem der Schlusskurs einer Aktie über einen bestimmte Zeitraum aufaddiert und durch deren Anzahl geteilt wird. Hierdurch wird jeder enthaltenen Kursänderung das selbe Verhältnis, zu den restlichen aus diesem Zeitraum bestehenden zugeteilt. Diese Berechnung kann über Tage, Wochen oder aber auch Minuten geschehen, je nach dem, auf welchen Zeitraum das Trading ausgelegt ist.

Ein gleitender Durchschnitt kann wie ein Filter verwendet werden, der die Daten auf wenige, wesentliche Informationen reduziert. Schau dir einmal den Kurs im Verhältnis zum gleitenden Durchschnitt an. Liegt der Kurs über oder unter dem gleitenden Durchschnitt? Steigt der Durchschnitt oder sinkt er? Durchbricht der Kurs den Durchschnitt von unten nach oben oder anders herum? All dies sind Informationen, aus welchen heraus du dein Trading oder deine Tradingentscheidungen treffen kannst.

Generell kann man sagen, dass ein Kurs, welcher sich

  • oberhalb des gleitenden Durchschnitts befindet, einen Aufwärtstrend (Uptrend) darstellt
  • Befindet sich der Kurs unterhalb des GLD befindet sich der Kurs in einem Abwärtstrend (Downtrend).
  • Durchbricht der Kurs den GLD, spricht man von einer Trendwende
  • Prallt der Kurs am GLD ab, spricht man von einem gleitendenden Widerstand oder einer gleitenden Unterstützung

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Bild 1: Der Kurs von AGFB befindet sich bis Januar 2016 im Aufwärtstrend (oberhalb GLD 200) und durchbricht den Trend Anfang Januar (Trendwende) um fortan unterhalb des GLD einen Abwärtstrend fortzusetzen (unterhalb GLD 200). Anfang März, April und Mitte Mai versucht der Kurs den mittelfristigen Trend nach oben zu durchbrechen, prallt aber am GLD ab (Widerstand). Der Kurs wird den GLD aber nicht immer so sauber touchieren wie im gezeigten Beispiel. Häufig kommt es vor, dass der Kurs den GLD kurz durchbricht, um kurz darauf die Richtung zu wechseln und den Durchschnitt erneut in die andere Richtung zu durchbrechen.

Arten von gleitenden Durchschnitten

Ein GLD kann auf verschiedene Arten berechnet werden. Ein einfacher gleitender Durchschnitt addiert einfach eine bestimmte Anzahl von Schlusskursen auf, welche durch die gewählte Zeitspanne dividiert werden (z.B. 10 Tage: 10 Schlusskurse werden aufaddiert und durch 10 geteilt). Jeder berechnete Wert wird im Chart dargestellt, und man erhält eine fortlaufende Linie (im der Beispielgrafik GLD 200, grün).

Bild 2: Der GLD (rot) folgt dem aktuellen Kurs dichter als der einfache GLD (grün).

Ein exponentieller GLD ist komplexer zu berechnen. Hier werden kürzer zurückliegenden Kursen höhere Gewichtung beigemessen als länger zurückliegenden Kursen. Hierdurch liegt der EGLD „enger“ am Kurs, er reagiert schneller auf Kursänderungen. Wenn dich die Berechnung der Formeln interessiert, welche hinter diesen Durchschnitten steckt, findest du im Internet hierzu eine schier endlose Fülle an Informationen. Hier soll nicht näher darauf eingegangen werden, da deine Handelsplattform diese Berechnungen/Darstellungen für dich übernimmt.

Generelle Aussagen dazu, welche Art von Durchschnitt „besser“ ist sollte man vermeiden. Es gibt verschiedene Arten zu handelt, und je nach Art zu handeln, oder je nach dem was man handelt (Aktien, Forex, Derivate), stellt der eine oder andere Durchschnitt das geeignetere Werkzeug dar.

Der gewählte Zeitraum 

Je nach dem, wie viel Zeit du in dein Trading investieren möchtest oder auch kannst, ist die gewählte Zeitspanne bei der Berechnung aller GLD von entscheidender Bedeutung. Etabliert haben sich Zeiträume von 9, 20, 50 und 90 Tagen. Ich persönlich investiere im Monat ein, maximal zwei Wochenenden á jeweils 3-5 h für mein Trading. Dementsprechend macht für mich ein kurzer GLD für mich wenig Sinn, ich orientiere mich mehr an langfristigeren Trends, also 90 bis 200 Tage.

Wenn du selbst mehr Zeit für deinen Handel oder deine Analyse von Charts aufbringst, und z.B. jede Woche mehrere Stunden investierst, kann ein kurzfristiger Zeitraum von 9 bis 20 Tagen durch aus Sinn machen.

Die Strategie: Trading the Bounce (Handle die Unterstützung)

Der GLD wird hierbei als Zeitpunkt für den Ein-/Ausstieg in einen Titel verwendet. Der Kurs bildet bei Kontakt mit dem GLD ein Tief aus, von welchem eine Trendumkehr statt findet. Dieser Zeitpunkt wird verwendet, um long zu gehen, also eine bestimmte Anzahl von Anteilen an einem bestimmten Wertpapier zu erwerben und an dessen Anstieg zu partizipieren. Im folgenden Bild sind die Einstiegszeitpunkte am GLD 200 bzw. 90 mit Pfeilen markiert, am Beispiel GFT Technologies. Ausstiegszeitpunkt wäre in diesem Fall, oder besser in beiden Fällen, Februar 2016, mit geringen Verlusten gegenüber dem All-Time-High (Dezember 2015).

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Bild 3: Einsstiegssignale

Trading the Crossover (Handle die Trendumkehr) 

Eine weitere Möglichkeit den GLD als Einstiegssignal zu nutzen, ist die bereits andiskutierte Trendumkehr, also den Wechsel eines Downtrends hin zum Uptrend. Der Kurs schneidet oder besser kreuzt, den GLD von unten nach oben.

Am Beispiel Starbucks sieht man sehr schön, wie der Kurs sich erst gegen den GLD 30 im Juli 2016 behauptet, um die Aufwärtsbewegung durch das Durchbrechen des GLD 90 zu bestätigen. Die Korrektur, also die Seitwärts und Abwärtsbewegung wird dem Anschein nach gerade beendet.

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Bild 4: Kurs kreuzt Durchschnitt

Nachteile von gleitenden Durchschnitten

Die Interpretation und Auswertung von gleitenden Durchschnitten haben einen entscheidenden Nachteil: Sie haben als Grundlage lediglich bereits vergangene Ereignisse und Kurse. GLDs berücksichtigen keine anstehenden Ereignisse, wie anstehende Geschäftsberichte oder Quartalszahlen – deren Einfluss lässt sich lediglich am damaligen Verhaltens des Kurses gegenüber dem GLD ablesen. Manchmal „respektiert“ der Kurs den GLD als Widerstand oder Unterstützung, und manchmal eben nicht.

Ein weiteres Problem ist das Verhalten des Kurses bei gleichem Wert wie der GLD. Häufig kann sich der Markt nicht entscheiden in welche Richtung es weitergehen soll, was dazu führt, dass der Kurs sich lange Zeit auf dem Niveau des GLDs hält, vor er wieder eine bestimmte Richtung einschlägt. In diesem Falle sollte man die Position schließen, um eine klare Entscheidung des Kurses abzuwarten, oder aber einen anderen Indikator verwenden um eine Vorhersage zu treffen. Man kann also sagen, dass ein GLD ein guter Indikator in klaren Marktverhältnissen bzw. Trends ist, und sich schlecht für seitwärtsbewegende Märkte eignet.

Resümee

Gleitende Durchschnitte vereinfachen Charts und stellen mittels einer geglätteten Linie die aktuelle Trendlage eines Wertpapierkurses dar. Gewichtete Durchschnitte reagieren schneller als einfache gleitende Durchschnitte – ob das gut oder schlecht ist, hängt von deiner Art zu handeln ab, und was du handelst. Kurze Zeitperioden werden in der Berechnung des GLDs ebenfalls schneller auf den tatsächlichen Kurs reagieren, als lange Zeitperioden. Grundsätzlich kann der GLD aber gut als Kaufsignal für Wertpapieranalysen verwendet werden.

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